Liebe Leserinnen und Leser, liebe umweltbewussten Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Schwanzmeisen (Foto: A. Holm)
allen geopolitischen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Brennpunkten zum Trotz: Bleiben Sie optimistisch und zuversichtlich. Aber seien Sie kritisch und lassen sich nicht von hohlen Phrasen einlullen und mit vagen Versprechungen abspeisen.
Wir wünschen Ihnen fröhliche, entspannte Festtage und ein gesundes und friedvolles neues Jahr.
Allen Mitstreitern und Unterstützern danken wir herzlich und wünschen uns, dass Sie sich weiterhin für unsere Ziele einsetzen und uns gewogen bleiben.
Die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) steht in Schleswig-Holstein als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste und bedarf unseres besonderen Schutzes. Ihr Lebensraum wird durch stetigen Verlust kleiner, weil Landwirtschaft, Wohnungsbau, Industrie- und Gewerbeansiedlung sowie Straßenbau tagtäglich immer mehr Flächen fordern. Die Folgen dieses Raubbaus verbleibender Naturflächen sind unübersehbar. Die Zerstückelung der Landschaft führt dazu, dass ursprüngliche Lebensbereiche für Pflanzen und Tiere zu isolierten kleinen Inseln werden, die durch Infrastruktur getrennt sind. Der lapidare Hinweis, Tiere könnten ja „vergrämt“ werden und aus eigener Kraft andere Lebensräume erobern, greift leider oft nicht.
Zahlreiche Lebewesen fallen vielmehr über kurz oder lang diesen Eingriffen zum Opfer, weil Nahrung, lebenswichtige Biotope (z.B. Gewässer, Moore) oder genetische Vielfalt schwinden (vgl. Zunahme von Missbildungen bei Rotwild). Viele Tiere haben geringe Chance zur Flucht aufgrund ihrer körperlichen Fähigkeiten (Reptilien, Amphibien, Igel usw.) Daher ist der Schutz verbleibender Populationen dringend erforderlich, beispielsweise durch Grüntunnel, Grünbrücken, Vernetzung von Lebensräumen (z.B. ökologische Trittsteine, das „Grüne Band“ oder Rückgewinnung zerstörter Biotope) und Umsiedelung bedrohter Arten. Beispiele im Kreis Segeberg: Fledermäuse (Vermeidung von Lichtverschmutzung und Erhaltung von Einflugschneisen zu Nahrungsgebieten oder Ruheplätzen) und Haselmäuse (extrem engen natürlichen Bewegungsradius bedenken).
Informationen zu gefährdeten Arten bieten u.a. die Rote Liste des WWF über bedrohte Tier-, Pflanzen- und Pilzarten (Stand 15.10.2025), die neue Rote Liste des AAD über Vögel (Stand 1.7.2022), des IUCN (jährlich aktualisiert), die Rote Liste des BfA.
Schlehe am Knick (Foto: A. Holm)
Die Haselmaus liebt Gehölz mit dichtem Wuchs von Bäumchen und Sträuchern im Wald, an Waldwegen und Knicks. Sie bevorzugt Brombeergestrüpp, Haselstrauch, Schlehe, Weißdorn, Faulbaum und andere Fruchtspender.
Nest einer Haselmaus, laut Experten zum Verwechseln ähnlich dem der Zwergmaus (Foto: A. Holm)
Ihre Nahrung ist vielfältig und der Jahreszeit angepasst: Knospen und Blüten, Insekten, Vogeleier, Schlehen, Brombeeren, Himbeeren, Bucheckern, Nüsse.
Nester von Haselmäusen unterscheiden sich von Vogelnestern. Sie bestehen aus einer Mischung von Laubblättern und Gräsern, sind etwa faustgroß, kugelrund und haben einen kleinen seitlichen Eingang. Die Haselmaus bewohnt mehrere Sommernester, die man oft in kleinen Astgabeln in Bodennähe (Höhe bis 2 m) findet. Haselmäuse sind jedoch Kletterakrobaten und kommen selbst in Bäumen in großer Höhe vor. Aber auch in Nistkästen und Baumhöhlen bringen sie ihre Jungen zur Welt. In der Regel handelt es sich um bis zu sechs blinde und nackte Jungtiere, die ca. sechs Wochen von der Mutter versorgt werden. Selten gibt es mehr als einen Wurf im Jahr. Die Tiere haben eine Lebenszeit von zwei bis sechs Jahren.
Haselmäuse überwintern oberflächennah in Bodennestern unter Laub und Moos. Ihr Winterschlaf dauert sechs bis sieben Monate. In dieser Zeit leben sie von den Fettreserven, die Atmung verlangsamt sich und ihr Herzschlag verringert sich auf wenige Schläge pro Minute. Dabei verlieren sie etwa 30% ihres Gewichts.
Aufgrund der Ähnlichkeit ist die Haselmaus mit anderen Mäusen leicht zu verwechseln. Man kann sie jedoch an mehreren Merkmalen von der grauen Maus unterscheiden: Sie hat ein goldgelbes Fell auf der Oberseite, an Brust und Kehle einen weißen Fleck. Ihr Schwanz ist behaart. Packt sie ein Feind am Schwanz, kann sie fliehen, indem sie ihre Schwanzhaut zurücklässt. Haselmäuse sind geschickte Kletterer. Allerdings sind sie kaum zu entdecken, da sie nachtaktiv sind. Zu ihren Feinden gehören Eulen, Hermeline, Marder, Wiesel, Dachse, Füchse, Katzen und Wildschweine.
Zwar ähnelt die Haselmaus einer Maus, gehört aber zu den Bilchen (Schlafmäusen) und ist verwandt mit Baumschläfer, Gartenschläfer und Siebenschläfer, die in Schleswig-Holstein nicht leben. In einigen Gebieten Schleswig-Holsteins sind Haselmäuse noch verbreitet, vor allem in den Kreisen Ostholstein (Naturpark Holsteinische Schweiz), Segeberg (etwa im Großraum Wahlstedt, wo sie u.a. der Weiterbau der A 20 bedroht) und bei Neumünster. Haselmäuse gibt es auch in Dänemark, England, Italien, der Ukraine und Türkei.
Wie können wir die bedrohte Haselmaus schützen? Hier eine Übersicht:
Haselmausgerechte Knickpflege (nur kurze Abschnitte auf den Stock setzen, seitlichen Zuwachs nur im Winter schneiden)
Höhlenbäume erhalten
Neuanlage von Knicks, Aufwertung vorhandener Knicks
Verzicht auf Straßenneubau, mehr Grünbrücken bauen
Mehr biologische Landwirtschaft bietet mehr Insektennahrung, also...
...Bevorzugung von Bio-Lebensmitteln durch Verbraucher
Potenziell geeignete Gebiete naturnah gestalten, Monitoring durch Kästen oder Röhren, Melden von Standorten
Spenden für den Naturschutz, Mitarbeit in Naturschutzverbänden
Über das Smartphone-Tool der Observation App observation.de können Interessierte ihre Naturbeobachtungen speichern, verifizieren und das Vorkommen auch melden, um bedrohte Individuen zu registrieren.
„Die Haselmaus gilt als einer der heimlichsten Bewohner Schleswig-Holsteins. Ein winziges Säugetier, das noch nicht viele gesehen haben. Ranken sich um diesen nachtaktiven Kletterkünstler Mythen oder harte Fakten? Stimmt es, dass die Haselmaus niemals den Boden betritt und ihr Leben ausschließlich in luftiger Höhe verbringt? Ist es wahr, dass dieser kleine Nager mehr als ein halbes Jahr quasi unentdeckbar im Tiefschlaf verbringt und damit den Großteil des Jahres verschläft? Und wenn sie so anspruchsvoll und schwer zu entdecken ist - wie passt es damit zusammen, dass sie ausgerechnet die Gebüsche entlang von Autobahnen zu bevorzugen scheint? Wie steht es überhaupt im Land um die europaweit streng geschützte Art – ist sie häufig oder eher kurz vorm Verschwinden?
Björn Schulz von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein lüftet einige Geheimnisse um dieses faszinierende Tier. Erfahren Sie im Vortrag, welche überraschenden Wahrheiten sich hinter diesen Fragen verbergen und wie auch Sie dabei helfen können, mehr Wissen über die Haselmaus zu generieren.
Eingeladen sind unsere Mitglieder und Interessierte, der Vortrag ist kostenlos.
Mittwoch, 23.07. 2025, 19:00 Uhr
Jugendakademie Bad Segeberg, Marienstraße 31
23795 Bad Segeberg
Für Rückfragen:
Christoph Kröger, NABU Bad Segeberg, christoph.kroeger@nabu-badsegeberg.de
oder 04553 895 322328
Im Internet zu finden unter www.NABU-BadSegeberg.de“
Die Lübecker Nachrichten berichten (15./16.06.25, S. 6) über einen weiteren dramatischen Rückgang des Amphibienbestandes im Norden. Dies ergibt sich aus alljährlichen Zählungen des NABU an Amphibienschutzzäunen. Als Gründe für das Voranschreiten der Dezimierung werden genannt:
Entstehen und Erweiterung neuer Baugebiete
Pestizide in der Landwirtschaft
Zunahme von Trockenperioden
Der NABU Hamburg gibt an, dass ehrenamtliche Helfer in diesem Frühjahr 7472 Amphibien retten konnten. Dadurch lasse sich die erneute Negativbilanz nachvollziehen. So seien in Bergedorf seit dem Jahr 2020 die gezählten Tiere von 1900 Exemplaren auf gegenwärtig 127 zurückgegangen. In Schnelsen sank in diesem Zeitraum die Zahl von 2564 auf 995, in Harburg von 314 auf 23.
Besonders der Grasfrosch sei in Hamburg mittlerweile – wie die meisten Amphibienarten – gefährdet. Seine Zahl hat sich an den Schutzzäunen seit 2020 sogar halbiert.
Irm Hermans-Borgmayer (NABU-Fachgruppe Amphibien/Reptilien) äußert die Sorge:
„Es ist zu befürchten, dass die Amphibien in manchen Gebieten Hamburgs bald ganz verschwinden, wenn sich die negativen Trends nicht ändern.“
Erfreulich sei die jedoch Nachricht, dass im Niendorfer Gehege mehr Erdkröten als im Vorjahr gerettet werden konnten. ---
Weitere Informationen:
Rote Liste Amphibien Fassung, Dez. 2019 (Datenstand 31. Dez. 2017), für Schleswig-Holstein
Von den ca. 500.000 km Fließgewässer in Deutschland befindet sich nur ein kleiner Teil in gutem Zustand. Viele Gewässer sind verunreinigt durch Müll, Pestizide, Nitrat, PFAS Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) usw.
Gewässer bilden die Lebensgrundlage für das Leben auf dem gesamten Planeten.
Im kostenlosen Download erhalten Sie den WASSERATLAS 2025, der zeigt, wie es um den globalen Zustand unseres Wassers steht:
Schon häufiger berichteten wir über Klimawandel, Umweltverschmutzung und schwindende Biodiversität. Auch im Fokus hatten wir die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, die Deutschland nicht einhalten konnte und nach Fristverlängerung voraussichtlich verfehlen wird.
Nun veröffentlichte DER SPIEGEL (Nr. 23/31.05.2025, S. 70) eine Kurzmeldung über einen Teil des Marmarameeres an der türkischen Küste.
Die Weltrekordhalterin im Apnoetauchen (Sahika Erkümen, 40) protestierte gegen das „Ersticken der Meere“, indem sie vor Balikesir in einen „bis zu 30 Meter unter die Wasseroberfläche reichenden Schleimteppich“ tauchte.
Als Ursachen für den Zustand des Meers werden genannt: Abwässer, zu hohe Temperaturen und mangelnde Zirkulation, die weiteres Leben verdrängen.
Nach ihrem Tauchgang kommentierte Erkümen: „Die Meere schreien um Hilfe.“
Das hiesige Asphaltmischwerk verursacht seit einiger Zeit erneut Belastungen für uns Wahlstedter Bürger. Nach wiederholten Lärmbelästigungen durch den Materialumschlag am Industriegleis klagen Anwohner über intensive Luftverschmutzungen. Aufgrund langanhaltender Trockenheit und nicht ordnungsgemäß erfolgter Bewässerung verwirbelte der Wind wieder Sandstürme bis ins Wohngebiet. Starker Wind drückte beißenden Qualm bis auf den Erdboden und verteilte die nach Asphalt stinkenden Nebelschwaden in der Umgebung.
Nach einer längeren Ruhephase und Instandsetzungsarbeiten haben die Bürger erwartet, dass der Betrieb die schon jahrelang bekannten Belastungen besser verringert.
Sorgen nun Wetterbedingungen, unsachgemäßes Verhalten und veraltete Technik für weitere Belastungen unserer Stadt?
Rasenblühfläche im naturnahen Garten (Foto: A. Holm)
Wer sich für Lebewesen in seinem Umfeld interessiert, fragt sich manchmal, welches er gerade entdeckt hat.
Da hilft ein Nachschlagewerk. Auch das Internet kann hilfreich sein. Besonders praktisch ist es, sich mit Hilfe einer App auf dem Smartphone zu orientieren.
Interessierte können aber auch an einem Rundgang im Segeberger Schmetterlingsgarten teilnehmen.
Eine aktuelle Pressemitteilung des NABU verrät dazu:
„Bestimmung von einheimischen Pflanzen mit einfachen und modernen Mitteln…
…Die Exkursion führt in den Schmetterlingsgarten des NABU und die Teilnehmer werden anhand der dort vorgestellten Pflanzenarten das Bestimmen mit modernen und einfachen Mitteln lernen. Die Exkursion ist auch für Kinder gut geeignet. Die Wege sind kurz und normale Bekleidung und Schuhwerk ausreichend.
Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich über Naturschutz, Themen rund um Bad Segeberg und die aktive Mitarbeit beim NABU zu informieren.
Die Veranstaltung ist kostenlos, wir bitten dennoch um verbindliche Anmeldung. Da die Kapazität auf 15 Personen begrenzt ist. Bitte melden Sie sich unter