Springe zum Inhalt

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern - allen Unbilden zum Trotz - frohe und erholsame Festtage und einen guten Start in ein gesundes Jahr 2022.

Bleiben Sie kritisch, furchtlos und mitteilungsfreudig im Einsatz für unsere zerbrechliche Umwelt, den Klimaschutz, die biologische Vielfalt und damit unsere Lebensqualität.

Für Ihre Hinweise und Ideen, unermüdliche Unterstützung und Spenden bedanken wir uns herzlich.

Bereits im Jahr 1985 wurde ein Rückgang von Tier- und Pflanzenarten in Schleswig-Holstein festgestellt. Diese Situation hat sich seitdem  noch verschärft. Umweltminister Albrecht hat festgestellt, dass bereits die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in Schleswig- Holstein ausgestorben bzw. vom Aussterben bedroht ist. Schaut man allerdings genauer hin, stellt man fest, dass die Situation für manche Tierarten dramatisch schlechter bestellt ist. Allein bei den Insekten wird ein Rückgang von 75% in der Tiermasse gemessen.

Die Ursachen sind seit Jahren bekannt.

„Als deutlicher Schwerpunkt unter den Rückgangsursachen zeichnet sich eine fast flächendeckende, intensive Landbewirtschaftung aus…“ (Landesamt Natur, 1985, Ursachen des Rückgangs von Pflanzen- und Tierarten).

Die industrielle Landwirtschaft heutiger Prägung ist gekennzeichnet durch eine Einengung der Fruchtfolgen und Anbausysteme,  eine Vergrößerung, Vereinheitlichung und Monotonisierung der Schläge durch Melioration und Düngung. Über die ausgebrachte Gülle wirken Tierarzneimittel wie Antibiotika oder Hormone aus der Nutztierhaltung auf die Ackerflächen ein.

Darüber hinaus kommen in starkem Maße Agrochemikalien zum Einsatz, mit z.T. langen Halbwertzeiten, die je nach Mittel von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren reichen können. Neben- und Wechselwirkungen sind weitgehend unbekannt.

Die inzwischen nachgewiesene Verfrachtung dieser Substanzen führt dazu, dass auch Lebensräume, in denen sie ursprünglich nicht ausgebracht wurden, von negativen Auswirkungen auf Flora und Fauna betroffen sind.

(Siehe unseren früheren Beitrag über Nachweise zur Verbreitung von Umweltgiften per Rindenmonitoring oder https;//enkeltauglich/wp-content/uploads/2019/02/V02_BEL_19_Abstract_BioFach.pdf oder tieminfo.de/Publikationen/)

Welche Dimensionen Lebensraumverlust und – verschlechterung  angenommen haben, lässt sich am Verlust von Dauergrünland zwischen 1997 und 2016 in Höhe von 120.000 ha beziffern. Von den verbliebenen 327.000 ha wiesen im Jahr 2019 nur noch 3000 ha artenreiches Grünland auf. (Jahresbericht zur biologischen Vielfalt des Landes S-H)

Diese Entwicklung dokumentiert das totale Versagen der praktizierten Naturschutzpolitik in Schleswig-Holstein. Das gewaltige Artensterben ist das Zeichen eines grandiosen Scheiterns,  die Summe  der bisherigen Maßnahmen ist absolut unzureichend. Noch immer werden die eigentlichen Verursacher verschont, obwohl sie Schäden in Millionenhöhe an der Natur verursachen.

Welchen Stellenwert der Natur- und Artenschutz in SH wirklich hat, wird in Wahlstedt sehr deutlich.

Im Jahr 2006 wurde mit dem B-Plan Nr. 1 ein Industriegebiet inmitten eines bedeutenden Lebensraums der Knoblauchkröte errichtet.

(https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/amphibien-und-reptilien/amphibien/artenportraets/10692.html)

Um die erheblichen Habitatverluste möglichst gering zu halten, wurden Teile der überplanten Flächen für Knoblauchkröte, Moorfrosch und andere Amphibien sowie Eidechse, Blindschleiche und andere Tiere freigehalten und Schutzmaßnahmen vorgeschrieben. (vgl. B-Plan Nr. 1, 2. Änderung) Darüber hinaus musste sich Wahlstedt vertraglich verpflichten, im Bereich der Alten Ziegelei in Fahrenkrug ein Habitat für die Knoblauchkröte zu errichten.

In den vergangenen Jahren ist auf diesem Gelände ein Biotop mit arten- und strukturreichem Bewuchs entstanden. Durchzogen wird das Gelände von einer tiefen Schlucht, die von dem Überlauf des Birkenbruch-Biotops gebildet wird, das sich in zentraler Lage im Industriegebiet Holsteinstraße befindet.

Dieses Biotop soll nach dem Willen Wahlstedts und eines anliegenden Betriebes zerstört, planiert und mit riesigen Lagerhäusern bebaut werden. (siehe Protokoll der Verbandsversammlung des ZVM Bad Segeberg-Wahlstedt vom 30.09.2021, nachzulesen im Sitzungskalender der Stadt Segeberg)

Knoblauchkröten sind europaweit geschützt nach der FFH-Richtlinie (Anhang IV) und „streng geschützt“ nach Bundesnaturschutzgesetz. Streng geschützte Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Außerdem ist es verboten, sie durch Aufsuchen ihrer Lebensstätten zu beunruhigen. Die Knoblauchkröte steht auf der bundesweiten  Roten Liste in der Kategorie „stark gefährdet“.

Wahlstedt treibt die Zerstörung der Biotope mit Hilfe des Zweckverbandes Segeberg- Wahlstedt voran. Am 30.09.2021 erfolgte der Aufstellungsbeschluss zum B-Plan Nr. 1, 4. Änderung, auf der Sitzung der Verbandsversammlung.

Die entsprechenden Flurstücke mit einer Gesamtgröße von 2,668 ha sollen zu einem Einheitspreis verkauft werden. Als Planungsziele werden genannt: Die Rückumwandlung der mit der 2. Änderung des B-Plans 2006 festgesetzten öffentlichen Grünflächen zu Industrieflächen und die Ermöglichung der Betriebserweiterung eines bestehenden Gewerbebetriebes.

Soviel vorerst zum Stellenwert von Natur- und Klimaschutz vor unserer Haustür. 

Wieder ist ein Stück städtischen Grüns verschwunden und unter Pflastersteinen begraben. Eine Rabatte, die mit Büschen und anderen Pflanzen den Spielplatz in der Fußgängerzone begrünte,  begrenzte und beschattete, wurde dem Erdboden gleich gemacht und versiegelt. Im Gegenzug hat man die Spielfläche ein wenig vergrößert. Warum?

Warum haben der Umweltausschuss und andere Gremien zugestimmt? Warum hat unser Klimamanager kein Veto eingelegt?

Warum wurde diese grüne Insel nicht vergrößert und durch das Pflanzen eines Baumes aufgewertet? Gibt es hier und in der Umgebung keinen Gestaltungsraum für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK)? 

An welcher Stelle soll nun Ersatz geschaffen werden in einem Ort, der stets über fehlende Flächen klagt, wenn man den Wunsch nach mehr Grün in der Stadt äußert?

Spielplatz an der Fußgängerzone
Hier wurde Grün durch Pflastersteine ersetzt

Nach einer Studie von Greenpeace könnte der zielgerichtete Ausbau von Solarstrom ca. 85 000 Arbeitsplätze schaffen.

Hinzu käme laut Fraunhofer-ISE-Institut ein technisches Potential von über 3 000 Gigawatt jenseits der Freiflächen-Fotovoltaik.

Links: Diese und weitere interessante Studien unter

greenpeace.de/publications

 (Quelle: Greenpeace-Nachrichten 04/2021, S.17)

Eine Studie in den USA ergab 2011, dass Menschen, die am Arbeitsplatz einer bestimmten Pestizid-Konzentration ausgesetzt waren, ein dreifach erhöhtes Erkrankungsrisiko hatten.

In Frankreich gilt seit 2012 bei Landwirten unter bestimmten Bedingungen die PARKINSONSCHE KRANKHEIT als Berufskrankheit.

In Deutschland hat der Ärztliche Sachverständigenbeirat 2019 die generelle Eignung von Pestiziden als Ursache für diese Erkrankung festgestellt und prüft ihre Anerkennung. Der Neurologe und Grünenpolitiker Armin Grau fordert 2021 von der Bundesregierung, Parkinson für Beschäftigte in der Landwirtschaft als Berufskrankheit anzuerkennen. Er möchte den Einsatz der giftigen Stoffe besser überwachen lassen und fordert eine „Pestizid-Abgabe“.

(Quelle: DER SPIEGEL Nr. 46/ 13.11.2021, S. 11)

Wissenschaftler suchen nach neuen Möglichkeiten, Plastikmüll zu beseitigen und nachhaltige Baustoffe zu entwickeln. Pilze könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.

„…Als größter lebender Organismus der Welt gilt ein Pilz im US-Bundesstaat Oregon. Über der Erde… sieht man von diesem Honigpilz aus der Gattung Hal­limasch nur die typischen Fruchtkörper mit Stiel und Hut. Aber unter der Erde bilden … sogenann­te Myzelien, eine rund neun Quadrat­kilometer große Struktur…

Tatsächlich lassen sich aus Myzelien beson­ders gut Verpackungsma­terialien herstellen…. Aus Pilzgeflech­ten lassen sich nicht nur Verpackungs­materialien herstellen: Forscher und Designer haben daraus auch schon Lampenschirme, Teppiche und Nacht­tische entwickelt – und sogar Bauziegel…

…Einst wollte Vera Meyer Astrophysik studieren, dann wurde es aber doch Biotechnologie. Ihr Fachgebiet: Pilze. Anfangs war sie den Pilzen eher auf der Spur, weil sie neue Medikamente finden wollte, die gegen durch Pilze verursach­te Krankheiten helfen. Mittlerweile macht sich Meyer die Pilze zunutze: An der Technischen Universität Berlin entwickelt sie Werkstoffe auf der Basis von Pilzen, die eines Tages etwa Beton ersetzen könnten…

…Im Jahr 2011 entdeckten Wissenschaft­ler der Universität Yale, dass eine Pilzart die Fähigkeit besitzt, Kunststoff zu zer­setzen… Dieser Pilz namens Pestalotiopsis microspora kann sich von Plastik ernähren… Das macht er mithilfe eines bestimmten Enzyms. 2017 wurde auf einer Müllhalde in Pakistan entdeckt, dass auch ein weiterer Pilz mit dem Na­men Aspergillus tubingensis den Kunst­stoff Polyurethan in einigen Wochen zersetzen kann – ohne Pilze dauert es mehrere Jahre bis Jahrzehnte…“

Mehr: (27.09.2021, 3 min)

https://www.fluter.de/pilze-plastik-muell-nachhaltigkeit

„Wasteminster“ nannte Greenpeace United Kingdom den kurzen Animationsfilm am 17. Mai 2021.

Er sollte „das ganze Drama der Plastikverschmutzung“ anprangern und zeigt die Menge an Plastikmüll, die Großbritannien pro Tag in andere Länder exportiert: 1,8 Millionen Kilogramm.

Greenpeace-Recherchen hatten vorher ans Licht gebracht, dass große Mengen europäischer Verpackungsmüll in der Türkei verbrannt oder auf illegalen Deponien abgelagert werden. Die türkische Regierung hat inzwischen die Einfuhr europäischen Plastikmülls verboten.

(Quelle: Greenpeace-Nachrichten, 03/2021, S. 3)

Mehr: (ca. 2 min)

Weitere interessante Beiträge unter dieser Adresse.

Naturschutz, Umweltgifte, Lebensräume, Nachhaltigkeit

„Kommunen stehen aktuell vor großen Herausforderungen: Sie sollen sich fit machen für den Klimawandel und auch die Artenvielfalt retten.

Dabei reichen die Aufgaben von der Umgestaltung und Erweiterung des naturnahen Stadtgrüns und der pestizidfreien Pflege der Flächen bis zur Einbeziehung aller gesellschaftlicher Gruppen…

In unserer Tagung wollen wir erfolgreiche Praxis-Beispiele für mehr Insektenschutz in Städten und Gemeinden vorstellen und diskutieren. Wir möchten Anregungen geben und den Austausch zwischen Kommunen fördern…“

Themenschwerpunkte:

  • Insektenschutz auf kommunalen Grün- und Freiflächen mit Vorbildwirkung auf Bürgerinnen und Bürger
  • Insektenschutz auf landwirtschaftlichen Pachtflächen

Startdatum:

01. Dezember 2021

Enddatum:

01. Dezember 2021

Uhrzeit:

9:30-15 Uhr

Ort:

online

Bundesland:

Bundesweit

Veranstalter:

BUND und UBA

  • Anmeldeschluss ist der 20.11.2021.

Mehr:

https://www.bund.net/service/termine/detail/event/fachtagung-insektenschutz-in-kommunen-umsetzung-in-der-praxis/

„Die Landwirte in Schleswig-Holstein  bringen verhältnismäßig viel Gülle auf ihre Felder. Nach Angaben des Statistikamtes Nord brachten die Betriebe von März 2019 bis Februar 2020 rund 17,4 Millionen Kubikmeter flüssigen Wirtschaftsdünger aus.

Das entspricht rund 17,8 Kubikmeter Flüssigdünger pro Hektar. Der Bundesschnitt liegt bei 11,5 Kubikmeter/ha.

(Quelle: Lübecker Nachrichten, 26.10.2021, S. 6)

Die Auswirkungen von Gülle sind uns ja sattsam bekannt.

Aber wie steht es mit vielen anderen hilfreichen Beigaben für unser wirtschaftliches Wohlergehen?

Lesen Sie dazu aufmerksam die folgende Übersicht!

Mehr:

https://www.eea.europa.eu/de/signale/signale-2020/infografiken/das-unbekannte-gebiet-der-chemischen-risiken/image/image_view_fullscreen

Ein informativer Beitrag zur Frage, was jeder Einzelne tun könnte, um seinen kleinen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten.

Mehr: (arte, ca. 52min.)

https://www.arte.tv/de/videos/096316-000-A/aufgeheizt-der-kampf-ums-klima/