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Aufgespießt

Wieder zwei Veteranen gefallen…

In der Poststraße standen auf einem innerörtlichen Knick gegenüber den neu errichteten Seniorenwohnungen einige schöne sehr alte Bäume. Vermutlich zählten sie zu den ältesten Bäumen Wahlstedts.

Häufig parkten dort Fahrzeuge auf dem schrägen, unbefestigten Knickfuß unmittelbar auf dem Wurzelwerk dieser Bäume. Parkraumnot herrscht hier nicht, weil in unmittelbarer Nähe genügend Plätze vorhanden sind.

In Sorge um den Erhalt der Bäume meldeten Bürger darum dem Ordnungsamt immer wieder diese Verstöße gegen das Naturschutzgesetz und regten in verschiedenen Sitzungen der politischen Ausschüsse an, das Parken durch einige große Findlinge zu verhindern. Leider geschah hier aber lange nichts, obwohl der Stadt die naturschutzrechtliche Pflege der innerörtlichen Knicks obliegt. Weiterhin wurde im Bereich der Knicks geparkt. Auch Lieferwagen und LKW duldete die Stadt hier, selbst während der gesamten Bauphase der Seniorenanlage.

Nach Fertigstellung der Wohnanlage blieben die Bäume zunächst erhalten. Aber kürzlich  entdeckten wir, dass man zwei Bäume gefällt hatte. Später wurde der Knickbereich endlich durch große, weiß bemalte Feldsteine abgesperrt – viel zu spät für die abgeholzten Veteranen.

Und im nicht versperrten Bereich dieses Knicks parken jetzt schon wieder Fahrzeuge.

Vielleicht ist ja nun sogar geplant, diese Fläche durch Neuanpflanzung zu verschönern. Das wäre natürlich schon vorher möglich gewesen.  Mit liebevoller Pflege in den vorangegangenen Jahren hätten die Veteranen bestimmt noch lange überlebt, ohne der „Verkehrssicherungspflicht“ zum Opfer zu fallen.  

Schade, dass so immer mehr städtisches Grün vernichtet und kaum Ehrgeiz entwickelt wird, nachhaltiges Straßenbegleitgrün zu fördern, wie wiederholt angeregt. Viele andere Städte und Gemeinden beweisen, dass dies möglich ist, obwohl Leitungen und Rohre im Untergrund liegen.

Auf die beschriebene Weise könnte man wenigstens in Trippelschritten an einigen Stellen in unserer Stadt einen Beitrag für Klimaschutz, Naturschutz und biologische Vielfalt leisten.

Sollten diese Anstrengungen vielleicht auf eine kleine Streuobstwiese auf dem Schulgelände beschränkt bleiben?

Welcher Wert innerstädtischen Knicks und Grünflächen in Wahlstedt zugemessen wird, lässt sich an vielen Orten unserer Stadt dokumentieren:

  • Während der Bauarbeiten am neuen Pflegezentrum zwischen Rendsburger Straße und Dorfstraße bedurfte es wiederholter hartnäckiger Forderungen von Bürgern im Rathaus, bis man sich bequemte, wenigstens einige der alten, unter Schutz stehenden Alleebäume vor Beschädigungen durch den LKW-Anlieferverkehr notdürftig zu schützen.
  • Der Knick im Bereich des Fußwegs zwischen Helen-Keller-Schule und Sportplatz wurde entfernt, ebenso ein Knickwall am Bahnhof sowie in der Holsteinstraße ein besonders hochwertiger Knick, dort wurde nicht einmal die 3. Änderung des B-Plans abgewartet. Auch wurden keine Maßnahmen zum Schutz der Haselmaus ergriffen.
  • Nichts hindert Autofahrer daran, städtische Rasenflächen zum Parken zu nutzen, wie z.B. im Hasselkamp oder neben dem Schützenheim.
  • Gefällte Straßenbäume werden nicht ersetzt, obwohl sie laut B-Plan vorhanden sein müssten, z.B. in der Holsteinstraße, auf der Hofkoppel.
  • Grünflächen verschwinden unter zentimeterdicken Mulchschichten.
  • Straßen in Wohngebieten werden ohne Straßenbegleitgrün geplant, z.B. Im Holt, Im Eichengrund, Am Bucheneck, im Neubaugebiet Tütenmoor.
  • Selbst bei kürzlichen B-Plan-Änderungen wurde das nicht einmal erwogen. Die früher bestehende Heckenpflicht im Bereich Rüßweg/Elmhorst beispielsweise wurde abgeschafft.
  • Wahlstedt hat keinen Grünordnungsplan, und es gibt hier keine Überlegungen und Maßnahmen, wie man die Klimafolgen, die durch Überhitzung entstehen, abmildern kann.
  • Sogar eine wertvolle Nahrungspflanze für Hummeln, die prächtige Kartoffelrosenhecke am Sportplatzzaun, wurde ersatzlos gerodet.
  • Und Radlader entfernten schon vor geraumer Zeit vorsorglich am Streemweg Teile des Knickfußes, um den Sandweg zu verbreitern. 
  • Während man bei Bauvorhaben z.B. in Westerrade insekten- bzw. fledermausfreundliche  Straßenbeleuchtung festlegte, so verzichtete Wahlstedt darauf mit der Begründung, man habe dies ja vorher anderswo im Ort auch nicht gemacht.
  • Ausgleichsmaßnahmen, welche die Stadt für Baumaßnahmen treffen muss, werden weit außerhalb der Stadt in Klein Gladebrügge vorgenommen.

Respektvoller Umgang mit klimatisch und biologisch wichtigen Ausgleichsflächen innerhalb der Stadt? Das hat in unserer „Kleinen Industriestadt im Grünen“ keine Priorität.

Davon gibt es doch genug anderswo!

  • Auch Ihnen sind ähnliche Beispiele in Wahlstedt aufgefallen?
  • Bitte ergänzen Sie unsere Aufzählung.

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