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„Die Landwirte in Schleswig-Holstein  bringen verhältnismäßig viel Gülle auf ihre Felder. Nach Angaben des Statistikamtes Nord brachten die Betriebe von März 2019 bis Februar 2020 rund 17,4 Millionen Kubikmeter flüssigen Wirtschaftsdünger aus.

Das entspricht rund 17,8 Kubikmeter Flüssigdünger pro Hektar. Der Bundesschnitt liegt bei 11,5 Kubikmeter/ha.

(Quelle: Lübecker Nachrichten, 26.10.2021, S. 6)

Die Auswirkungen von Gülle sind uns ja sattsam bekannt.

Aber wie steht es mit vielen anderen hilfreichen Beigaben für unser wirtschaftliches Wohlergehen?

Lesen Sie dazu aufmerksam die folgende Übersicht!

Mehr:

https://www.eea.europa.eu/de/signale/signale-2020/infografiken/das-unbekannte-gebiet-der-chemischen-risiken/image/image_view_fullscreen

Bereits im Jahr 1985 wurde ein Rückgang von Tier- und Pflanzenarten in Schleswig-Holstein festgestellt. Diese Situation hat sich seitdem  noch verschärft. Umweltminister Albrecht hat festgestellt, dass bereits die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in Schleswig- Holstein ausgestorben bzw. vom Aussterben bedroht ist. Schaut man allerdings genauer hin, stellt man fest, dass die Situation für manche Tierarten dramatisch schlechter bestellt ist. Allein bei den Insekten wird ein Rückgang von 75% in der Tiermasse gemessen.

Die Ursachen sind seit Jahren bekannt.

„Als deutlicher Schwerpunkt unter den Rückgangsursachen zeichnet sich eine fast flächendeckende, intensive Landbewirtschaftung aus…“ (Landesamt Natur, 1985, Ursachen des Rückgangs von Pflanzen- und Tierarten).

Die industrielle Landwirtschaft heutiger Prägung ist gekennzeichnet durch eine Einengung der Fruchtfolgen und Anbausysteme,  eine Vergrößerung, Vereinheitlichung und Monotonisierung der Schläge durch Melioration und Düngung. Über die ausgebrachte Gülle wirken Tierarzneimittel wie Antibiotika oder Hormone aus der Nutztierhaltung auf die Ackerflächen ein.

Darüber hinaus kommen in starkem Maße Agrochemikalien zum Einsatz, mit z.T. langen Halbwertzeiten, die je nach Mittel von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren reichen können. Neben- und Wechselwirkungen sind weitgehend unbekannt.

Die inzwischen nachgewiesene Verfrachtung dieser Substanzen führt dazu, dass auch Lebensräume, in denen sie ursprünglich nicht ausgebracht wurden, von negativen Auswirkungen auf Flora und Fauna betroffen sind.

(Siehe unseren früheren Beitrag über Nachweise zur Verbreitung von Umweltgiften per Rindenmonitoring oder https;//enkeltauglich/wp-content/uploads/2019/02/V02_BEL_19_Abstract_BioFach.pdf oder tieminfo.de/Publikationen/)

Welche Dimensionen Lebensraumverlust und – verschlechterung  angenommen haben, lässt sich am Verlust von Dauergrünland zwischen 1997 und 2016 in Höhe von 120.000 ha beziffern. Von den verbliebenen 327.000 ha wiesen im Jahr 2019 nur noch 3000 ha artenreiches Grünland auf. (Jahresbericht zur biologischen Vielfalt des Landes S-H)

Diese Entwicklung dokumentiert das totale Versagen der praktizierten Naturschutzpolitik in Schleswig-Holstein. Das gewaltige Artensterben ist das Zeichen eines grandiosen Scheiterns,  die Summe  der bisherigen Maßnahmen ist absolut unzureichend. Noch immer werden die eigentlichen Verursacher verschont, obwohl sie Schäden in Millionenhöhe an der Natur verursachen.

Welchen Stellenwert der Natur- und Artenschutz in SH wirklich hat, wird in Wahlstedt sehr deutlich.

Im Jahr 2006 wurde mit dem B-Plan Nr. 1 ein Industriegebiet inmitten eines bedeutenden Lebensraums der Knoblauchkröte errichtet.

(https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/amphibien-und-reptilien/amphibien/artenportraets/10692.html)

Um die erheblichen Habitatverluste möglichst gering zu halten, wurden Teile der überplanten Flächen für Knoblauchkröte, Moorfrosch und andere Amphibien sowie Eidechse, Blindschleiche und andere Tiere freigehalten und Schutzmaßnahmen vorgeschrieben. (vgl. B-Plan Nr. 1, 2. Änderung) Darüber hinaus musste sich Wahlstedt vertraglich verpflichten, im Bereich der Alten Ziegelei in Fahrenkrug ein Habitat für die Knoblauchkröte zu errichten.

In den vergangenen Jahren ist auf diesem Gelände ein Biotop mit arten- und strukturreichem Bewuchs entstanden. Durchzogen wird das Gelände von einer tiefen Schlucht, die von dem Überlauf des Birkenbruch-Biotops gebildet wird, das sich in zentraler Lage im Industriegebiet Holsteinstraße befindet.

Dieses Biotop soll nach dem Willen Wahlstedts und eines anliegenden Betriebes zerstört, planiert und mit riesigen Lagerhäusern bebaut werden. (siehe Protokoll der Verbandsversammlung des ZVM Bad Segeberg-Wahlstedt vom 30.09.2021, nachzulesen im Sitzungskalender der Stadt Segeberg)

Knoblauchkröten sind europaweit geschützt nach der FFH-Richtlinie (Anhang IV) und „streng geschützt“ nach Bundesnaturschutzgesetz. Streng geschützte Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Außerdem ist es verboten, sie durch Aufsuchen ihrer Lebensstätten zu beunruhigen. Die Knoblauchkröte steht auf der bundesweiten  Roten Liste in der Kategorie „stark gefährdet“.

Wahlstedt treibt die Zerstörung der Biotope mit Hilfe des Zweckverbandes Segeberg- Wahlstedt voran. Am 30.09.2021 erfolgte der Aufstellungsbeschluss zum B-Plan Nr. 1, 4. Änderung, auf der Sitzung der Verbandsversammlung.

Die entsprechenden Flurstücke mit einer Gesamtgröße von 2,668 ha sollen zu einem Einheitspreis verkauft werden. Als Planungsziele werden genannt: Die Rückumwandlung der mit der 2. Änderung des B-Plans 2006 festgesetzten öffentlichen Grünflächen zu Industrieflächen und die Ermöglichung der Betriebserweiterung eines bestehenden Gewerbebetriebes.

Soviel vorerst zum Stellenwert von Natur- und Klimaschutz vor unserer Haustür. 

Ein informativer Beitrag zur Frage, was jeder Einzelne tun könnte, um seinen kleinen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten.

Mehr: (arte, ca. 52min.)

https://www.arte.tv/de/videos/096316-000-A/aufgeheizt-der-kampf-ums-klima/

"Über die Kunst der Verunsicherung,Verleugnung und Verschleierung mit Hilfe erheblicher finanzieller Mittel."

So hat man über 30 Jahre lang verhindert, zeitig geeignete Strategien gegen den Klimawandel (und andere Ziele) einzusetzen. Sehr aufschlussreich.

Mehr: (53 Min., verfügbar bis 23/04/2022)

https://www.arte.tv/de/videos/102286-000-A/klimawandel-die-macht-der-lobbyisten/

Wieder ist ein Stück städtischen Grüns verschwunden und unter Pflastersteinen begraben. Eine Rabatte, die mit Büschen und anderen Pflanzen den Spielplatz in der Fußgängerzone begrünte,  begrenzte und beschattete, wurde dem Erdboden gleich gemacht und versiegelt. Im Gegenzug hat man die Spielfläche ein wenig vergrößert. Warum?

Warum haben der Umweltausschuss und andere Gremien zugestimmt? Warum hat unser Klimamanager kein Veto eingelegt?

Warum wurde diese grüne Insel nicht vergrößert und durch das Pflanzen eines Baumes aufgewertet? Gibt es hier und in der Umgebung keinen Gestaltungsraum für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK)? 

An welcher Stelle soll nun Ersatz geschaffen werden in einem Ort, der stets über fehlende Flächen klagt, wenn man den Wunsch nach mehr Grün in der Stadt äußert?

Spielplatz an der Fußgängerzone
Hier wurde Grün durch Pflastersteine ersetzt

Nicht nur in fernen Ländern, auch vor unserer Haustür wird das Wasser knapp. Der Bericht zeigt, welche Schäden schon entstanden sind und wie Betroffene sich wehren.

Entlarvend!

Mehr:  „AUF DEM TROCKENEN – wie Großkonzerne unsere Wasserressourcen ausbeuten“

(ZDF 2021, 53 min; VERFÜGBAR BIS 17.11.2021)

https://www.arte.tv/de/videos/099777-000-A/auf-dem-trockenen/

Was versteht man unter per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC), auch bekannt als per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) oder perfluorierte Tenside PFT)?

So bezeichnet man eine Gruppe von über 4000 verschiedenen Stoffen, die in der Natur nicht vorkommen, sondern künstlich geschaffen wurden, indem man Wasserstoffatome teilweise oder ganz durch Fluoratome ersetzt hat.

Solche chemischen Substanzen begegnen uns Verbrauchern in einer großen Vielfalt verschiedenster Produkte. Das sorgt zur weltweiten Verbreitung dieser gesundheitsgefährdenden Stoffe.

Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften (wasser-, fett-, schmutzabweisend) werden sie für zahlreiche Produkte verwendet:

  • Kleidung
  • Imprägniermittel
  • Lebensmittelverpackungen
  • Heimtextilien
  • Antihaftbeschichtung (z.B.  Bratpfannen)
  • Wachse und Schmiermittel
  • Baustoffe (Wetterschutzfarben usw.)
  • Feuerlöschschäume
  • Pestizide

Problematisch: PFC bleiben für sehr lange Zeit in der Umwelt (Wasser, Boden, Luft), da sie kaum abbaubar sind. Sie reichern sich in Organismen an und wirken gesundheitsschädlich.

PFC können in Kläranlagen nicht abgebaut werden und sorgen dort durch Abbauprozesse für das Entstehen weiterer PFC. Sie reichern sich im Klärschlamm an und können so bei Anwendung als Dünger in der Landwirtschaft in Pflanzen und ins Grundwasser gelangen. Über Gewässer werden sie global verteilt. Selbst in entlegenen Gebieten wie der Arktis und dort lebenden Tieren findet man sie.

Flüchtige PFC (z.B. aus Imprägniersprays) verteilen sich durch Luftströmungen über weite Strecken in der Atmosphäre, hängen sich an Partikel an und gelangen durch Niederschläge in Böden und Gewässer. Pflanzen nehmen PFC auf landwirtschaftlichen Flächen auf, die durch Grundwasser bewässert werden.

(Quellen: Umweltbundesamt; 2014, 2015, 2016, 2018, 2020)

Mehr:

Video: Wie gefährlich sind PFC?

„Giftige PFC stecken in Outdoorjacken, Pfannen und Feuerwehr-Löschschäumen. PFC machen Materialien wasser-, fett- und schmutzabweisend, aber sind giftig. Schon in kleinsten Mengen können sie Leber-, Nieren- und Hodenkrebs verursachen oder unfruchtbar machen.

PFC sind biologisch nicht abbaubar. Sie verseuchen immer häufiger unser Grund- und Trinkwasser, unsere Böden und Ackerflächen. Ein riesiger Berg der giftigen Erde lagert derzeit auf dem Frankfurter Flughafen. Erde, die für den Bau des Terminal 3 ausgehoben wurde.

Aber nicht nur dort finden sich die krebserregenden Stoffe. Sie stecken auch in Outdoor-Kleidung, Sofabezügen, Backpapier…“

(HR, 23.06.2021, ca. 44 min)

Wiederholt berichteten Medien in Deutschland und Österreich über Pestizidrückstände in Pflanzen aus dem Handel

In einer Untersuchung, die der BUND Deutschland zusammen mit einem österreichischen Unternehmen durchführte, untersuchte man 35 Proben, von denen 32 (91%) Pestizide enthielten. Durchschnittlich wurden 7 verschiedene Pestizide auf einer Probe nachgewiesen, auf Lobelien eines Pflanzencenters sogar 19.

„Es wurden insgesamt 55 verschiedene Pestizide auf
den bienenfreundlichen Pflanzen festgestellt, 12 davon
sind hoch bienengiftig
: Abamectin, Cyantraniliprole, Cypermethrin,
Deltamethrin, Esfenvalerate, Imidacloprid, Indoxacarb,
Lambda-Cyhalothrin, Methiocarb, Pirimicarb, Spinosad
und Thiacloprid…

Auf … 40% der Pflanzen wurden Pestizide
nachgewiesen, die zum Zeitpunkt der Probennahme
keine EU-Zulassung hatten.
Darunter auch extrem
bienengiftige Substanzen wie das Neonicotinoid
Imidacloprid …“

Auf 29 der 35 Proben (83%) wurden Pestizide mit
besonders negativen Eigenschaften
für die menschliche
Gesundheit gefunden...
(krebserregend, fortpflanzungsschädigend, hormonell
wirksam oder von der WHO als hoch gefährlich
für den Menschen eingestuft).  (QUELLE: BUNDextra, 2/2021) 

Mehr:

https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/umweltgifte/Insektenfreundlicher-Garten-Giftfalle-BienenfreundlichePflanzen.pdf

www.bund.net/zierpflanzentest

(15 Seiten)